Kantonsratskandidatin Corina Bürgi im Gespräch

Corina, Du bist seit etwa 15 Jahren in der JUSO aktiv, seit acht Jahren bist Du auch Mitglied der SP. Was hat Dich bewogen, für die SP politisch aktiv zu werden?

 

Ich bin im Alter von etwa 17 Jahren der JUSO beigetreten, weil ich mich für stark für bildungs- und sozialpolitische Themen interessierte und ich aktiv für mehr Gerechtigkeit und einen starken Umweltschutz eintreten wollte. Nach einigen Jahren in verschiedenen Funktionen in der Juso trat ich der SP bei – und engagierte mich auch als Gemeinderätin in Wädenswil auf regionaler Ebene. Die konsequente Politik der SP für alle statt für wenige motivierte mich, weiter in der Partei aktiv zu sein.

Was sind die Gründe, dass Du jetzt für den Kantonsrat kandidierst?

 

Ausschlaggebend für meine Kandidatur war einerseits der Rechtsrutsch in verschiedenen Parlamenten der Schweiz wie auch die Erfahrung, die ich als Angestellte in der Verwaltung des Kantons Bern mit Budgetkürzungen im Sozialbereich gemacht habe. Es wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sich in den für die Finanzen zuständigen Gremien für eine linke Politik einzusetzen. Zudem habe ich mich beim letzten Gemeindratswahlkampf engagiert und wollte erneut einen aktiven Wahlkampf mitgestalten.

Als Gemeinderätin der Stadt Wädenswil habe ich bereits in einem bürgerlich dominierten Rat politisiert

Welche politischen Themen wären Dir als Kantonsrätin wichtig?

 

Ich arbeite seit dem Studium in verschiedenen Funktionen in der öffentlichen Verwaltung, war jedoch auch in unterschiedlichen sozialen Institutionen tätig. Einer meiner Schwerpunkte ist daher der Bereich der Sozialhilfe sowie der sozialen Integration, wo ich mich konsequent gegen Kürzungen einsetzen würde. Zwar unterliegt die Sozialhilfe den Kommunen, der Kanton ist aber ein wichtiger regulierender und standardsetzender Player. Weiter würde ich mich auch gerne für einen aktiven Umweltschutz einsetzen sowie mich in Bildungsfragen oder in die Verkehrspolitik einbringen.

Du kandidierst für den Kantonsrat. Was interessiert Dich an der Arbeit in einem Gremium, in dem man als Linke praktisch nichts zu sagen hat?

 

Als Gemeinderätin der Stadt Wädenswil habe ich bereits in einem bürgerlich dominierten Rat politisiert. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist Kompromisse zu finden und gleichzeitig sich selbst treu zu bleiben – und man sich so in die Entscheidungen einbringen kann.

Kann man mit den heutigen Bürgerlichen tatsächlich noch Kompromisse eingehen? Sollte die SP nicht einfach mehr auf die Strasse?

 

Grundsätzlich haben die Parteien in einer parlamentarischen Demokratie den Auftrag, Kompromisse zu suchen. Sollte sich zeigen, dass dies nicht mehr möglich ist, dann müsste die SP auch vermehrt «auf die Strasse gehen».

In der Stadt Zürich kann die SP pointiert und «linker» politisieren als auf dem Land. Wie nimmst Du diesen «Graben» innerhalb der Partei wahr?

 

Es gibt innerhalb der SP unterschiedliche Meinungen und starke Flügel. Gerade das Beispiel der JUSO zeigt, dass die Unterschiede nicht einfach auf einen Stadt-Land-Graben alleine reduziert werden können. Es gibt unterschiedliche Haltungen und Strömungen in der Partei und das ist in meinen Augen eine Stärke. Für mich stellt der angebliche Stadt-Land-Gap kein wesentliches Problem für die SP dar.

Wegen der Machtverhältnisse im Kanton kann die SP Exekutivämter nur mit gemässigten KandidatInnen erobern. Die Basis hingegen ist zuweilen sehr weit links angesiedelt. Wie soll die SP mit dieser Diskrepanz umgehen?

 

Das aktuelle Beispiel von Jaqueline Fehr zeigt, dass man auch in solchen Ämtern eine in der SP breit unterstützte Politik machen kann. Die Diskrepanz kann meines Erachtens mit geschickter Politik überbrückt werden. Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass es in der SP über die Lager hinweg im Rahmen von Nominationen Diskussionen zu den Grundwerten der Partei gibt.